Butschkow´s Blog



Mau(er)soleum

Autor: Butschkow am 05.07.2019


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Da steht sie nun in Berlin, die Mauer in der Bernauerstraße. Jedenfalls ein kleiner Rest davon, quasi als Freilichtmuseum, als Erinnerung an die betongewordene Abgrenzung der Ideologien. Für einige japanische Touristen ist es sichtlich ein großer Spaß, sich vor schäbigen, besprühten Mauerwänden fotografieren zu lassen, für mich ist es die gruselige Erinnerung an meine Jugend in West-Berlin, an das Gefühl, von der DDR eingemauert worden zu sein. Im Unterschied zu ihren Bürgern konnten wir unsere Stadt aber durch die Transitkorridore verlassen, die Bürger der DDR wurden für diesen Versuch erschossen. Margot Honecker hat dazu später in einem Interview zum Thema Todesopfer an der Mauer sinngemäß gesagt: „Es hat sie doch keiner gezwungen, die DDR zu verlassen.“ An einer Gedenkwand sind die Fotos dieser Freiwilligen zu sehen, ihre Gebeine liegen irgendwo da drunter. Jetzt stellen sich Chinesen zum Gruppenfoto davor. Ich gehe gegenüber ins „Mauercafé“ und bestelle mir ein Stück Erdbeertorte. Gegen den schalen Geschmack in meinem Mund kommt sie nicht an.