Butschkow´s Blog



Fehlversuch

Autor: Butschkow am 21.02.2020


Polizist

Gestern, gerade wollte ich zum Einkaufen fahren, da klingelte bei mir das Telefon. Ein freundlicher Mann war dran, stellte sich mit seinem Dienstgrad vor und wollte von mir wissen, ob ich auch der bin, der ich sei. Ja, der bin ich, bestätigte ich. Er sei froh, dass er mich erreicht habe, sagte er, so könnte er mich noch rechtzeitig vor großem Unglück bewahren. Zur Zeit würde in meiner Gegend eine rumänische Einbrecherbande ihr Unwesen treiben, sie hätte schon diverse Wohnungen geknackt. Nach dem klassischen Muster dieser Kriminellen sei er überzeugt, dass ich das nächste Opfer sei und wollte mich warnen. Ich bedankte mich herzlich für seine Fürsorge und lobte die großartige Arbeit der Polizei, nicht ohne noch nachzutragen, dass das meiner Meinung nach viel zu wenig anerkannt werden würde. Der Mann bedankte sich für meine Empathie und sah es zugleich als seine Pflicht an, mir dringend die nächsten Schritte nahezulegen, um mich vor Verlust und Vandalismus zu schützen. Er riet mir, meine sämtlichen Möbel unten vor mein Haus zu stellen, inkl. wertvoller Teppiche, echter Pelze und sonstiger Antiquitäten, anschließend obendrauf in einer wetterfesten Tasche mein gesamtes Bargeld und alle Wertgegenstände, wie teure Uhren oder Schmuck. Wichtig seien auch meine Kreditkarten, und ich sollte auf keinen Fall die Passwörter vergessen. Bitte sichtbar dazu legen, meinte er. Er würde veranlassen, dass das abgeholt und in Sicherheit verbracht und mir nach dem Abzug der Bande umgehend zurückgegeben werde. Ich machte eine kurze Pause und fragte ihn dann unumwunden, wie lange er schon in diesem Betrugsgeschäft arbeiten würde? Erst war er etwas verwirrt, druckste ein bisschen herum, gab dann aber schließlich zu, dass ich sein erster Fall sei. Ich tröstete ihn und sagte, jeder fängt ja mal an und er solle nicht den Mut verlieren. Er bedankte sich sehr herzlich und wollte zur Optimierung seiner zukünftigen Vorgehensweise noch von mir wissen, woran ich denn gemerkt hätte, dass er mich über den Tisch ziehen wollte? Ich erklärte ihm, dass es in Deutschland den Dienstgrad „Polizeigroßmeister“ nicht gäbe. Er bedankte sich herzlich für diesen Verbesserungsvorschlag und fragte mich, ob er vielleicht später noch mal einen neuen Versuch bei mir machen dürfe? Immer gerne, sagte ich.