Butschkow´s Blog



Goalrush

Autor: Butschkow am 06.03.2020


Geldsack

Es war einmal ein Spiel mit einem Ball und vierundvierzig Beinen. Alle meine Kumpels haben es gespielt und wer besonders gut war, trat sogar einem Verein bei. Am Sonntagnachmittag ging man in das örtliche Stadion, spürte das Adrenalin und die pfeifenden Lungen der Spieler hautnah und brüllte sich für seine Mannschaft die Seele aus dem Leib: Fußball! Es ist immer noch ein Spiel mit einem Ball und vierundvierzig Beinen und genau so großartig und begeisternd wie eh und je, allerdings ist eines Tages noch etwas hinzugekommen: Geld! Von da ab hat der Fußball seine Unschuld verloren: von der Jungfrau zur Hure. Heute verkauft er sich an Scheichs und Oligarchen, Investmentfonds, Konzerne und Sponsoren. Große Medienkonzerne überbieten sich für den Erwerb der Senderechte bis in ordinäre Höhen. An den Stadien prangen nun Konzernnamen und nicht mehr die verdienter Fußballgrößen und die Spieler essen vergoldete Steaks und kassieren Summen, wofür ein Fliesenleger fünftausend Jahre arbeiten müsste. Fein gekleidete Vereinspräsidenten und ihre Manager thronen wettergeschützt in den Luxus-Lounges ihrer Arenen mit Lachshäppchen und Champagner in den manikürten Händen und schauen wie einst die römischen Kaiser, wohlgefällig runter auf die fahnenschwenkende Masse, die ihren hart erarbeiteten Stundenlohn nicht nur in Sitz-oder Stehplätze investiert, sondern sich auch noch von Kopf bis Fuß mit Merchandisingprodukten ihres Vereins eindeckt und ihren Helden in allen Wettern damit treu bis in die letzte Pampa hinterher reist. Den Spielern wird nach jedem Spiel der Arsch gepudert und beim anschließenden Bankett von der Rede des Präsidenten leistungsbezogen gesalbt. Auch die Glücksspielindustrie will was von der Torte und darf ganz legal, sogar mit alten Titanen, für ihr dubioses Abzocker-System werben. Der Fußballfan wird gemolken, dass die Zitzen glühen. Völlig moralbefreit verkuppelten Verbandsobere und schlitzohrige Ex-Fußballer ein „Sommermärchen“ an das spielfreudige Volk und Glatze Fifantino verhökert den Fußball heute an das galaktische Geld. Ach, und wenn das Volk in den Stadien plötzlich bös wird, dann gibt´s für einen „Hurensohn“ die gelbe – oder die rote Karte.

Mit solch züchtigen Beleidigungen hätte ein seriöser, verfickter Rapper niemals auch nur eine einzige Millionen verdient. Übrigens, hat jemand Lust, mit mir im Garten ein bisschen Fußball zu spielen? Sorry, Geld gibt´s keins.