Butschkow´s Blog



Wunschtraum

Autor: Butschkow am 20.03.2020


Wunschtraum

Oh, Gott! Ist das nicht?...ist das nicht?... das ist doch Oliver Kahn! Olli, der Pfostengott, der Titan, der Knochenbrecher – er ist es, leibhaftig. Sieht auch genau so aus wie Oli Kahn, so wie im TV, in der Werbung, in den Zeitungen, kein Zweifel: Hier auf dem Flughafen sehe ich Oliver Kahn. Persönlich. So diskret wir möglich schaue ich zu ihm hin, sauge diesen Torwarthelden in mich auf und spüre, wie mir langsam heiß wird. Oliver Kahn. Unfassbar. Ich atme durch, fasse mir ein Herz und gehe zu ihm hin. „Herr Kahn“, sage ich, „könnten Sie mir vielleicht ein Autogramm geben?“ Er schaut mich an und antwortet dann mit seiner knarzenden Stimme freundlich: „Gerne.“ Dann greift er in seine Jacke, zaubert eine Starpostkarte von sich hervor und fragt: „Was soll ich schreiben?“ Zitternd vor Glück stammle ich: „Für P-P-Peter Butschkow, bitte.“ Er erstarrt und stöhnt mit weit aufgerissenen Augen: „Peter Butschkow? Du bist Peter Butschkow? Der berühmte Witzzeichner?“ „Cartoonist, Herr Kahn, Cartoonist“, korrigiere ich ihn höflich. Er geht vor mir auf die Knie und faltet seine Hände. „Nicht doch, Herr Kahn, lassen Sie das doch“, sage ich verschämt. „Das ist Peter Butschkow!“ brüllt er in die Flughafenhalle. Alle starren mich an, ich weiß gar nicht mehr, wo ich hinschauen soll. „Der berühmte Cartoonist ist anwesend!“, brüllt er weiter. Mir schießt das Blut in den Kopf, Gott, ist mir das unangenehm. „Darf ich Ihnen als Anerkennung Ihrer humoristischen Leistung und aus Dankbarkeit für dieses Geschenk an Lebensfreude eine Summe Ihrer Wahl überweisen?“ „Aber nicht doch“, sage ich überwältigt. „Scheuen Sie sich nicht“, fleht er mich an. Ich spüre bis in mein tiefstes Inneres, wie viel ihm dieses Angebot bedeutet, da darf ich mich nicht trotzig zeigen. „Na gut“, sage ich, „vielleicht zwei Millionen?“ „Gebongt!“, antwortet er, „die habe ich zufällig genau in bar dabei“ und reicht mir seine pralle Ledertasche. Ich greife gerade zu – da wache ich auf und sehe noch, wie die Finger meines ausgestreckten Armes ins Leere greifen, bevor sie schlaff auf die Bettdecke sinken.