Butschkow´s Blog



Versaut

Autor: Butschkow am 08.05.2020


Versaut

22:15 Uhr, ZDF, „Montagskino“. Auf dem Sendeplatz hatte die alte Mainzer Dame mal durchaus interessante Filme gezeigt, inzwischen ist auch er zum Tummelplatz für US-Blockbuster verkümmert. Aber was sehe ich da? Heute Abend: „Ein leichtes Mädchen“, französische Produktion. Voila! Den zieh ich mir rein. Ich liebe das französische Kino. Ich sehe zwei junge Mädchen, Naima und Sofia, beide wohnen in Cannes und schlendern abends an der Promenade an den funkelnden Luxusyachten vorbei. Sie werden von einem Bootseigner angesprochen und eingeladen, an Bord zu kommen. Meine Erwartungshaltung nimmt Fahrt auf. Man trinkt und plaudert und es wird Nacht. Spätestens als Naima mit einem Typen ins Schlafzimmer geht, rechne ich damit, dass sie gewürgt und gequält wird und am nächsten Morgen aufgeschlitzt im Meer schwimmt. Aber sie sitzt quietschvergnügt am Frühstückstisch. Meine Hoffnung, dass wenigstens Sofia vergewaltigt, zumindest als Geisel genommen wird, erfüllt sich auch nicht. Sie geht einfach unberührt zu ihrem Freund nach Hause. Ich sehe eine letzte Chance: Der Yachtbesitzer und seine Crew laden die Mädchen am nächsten Abend zum Essen ein. Endlich! Gangbang mit anschließendem Gemetzel. Hä? Man unterhält sich? Wenigstens über satanische Gelüste, eheliche Gewalt, priesterlichen Missbrauch? Nichts. Man philosophiert, flirtet, lacht, trinkt und schaut melancholisch auf den Mond über dem Meer. Am Ende des Films fällt Sofia in die Arme ihres Freundes und Naima geht nach London. Es ist kein Tropfen Blut geflossen. Nicht einer! Also diese herrlichen Franzosen, drehen einfach einen leisen Film über zwei junge Frauen. Unglaublich. Verdammt, ich habe in letzter Zeit einfach zu viel Netflix gesehen.