Butschkow´s Blog



Rache

Autor: Butschkow am 10.01.2020


Rache

Ich kannte Herrn F. nicht, aber er mich. Jedenfalls meine Arbeit. Er hatte nämlich einen Kalender von mir zu Weihnachten geschenkt bekommen und teilte mir in einer langen Mail lustvoll mit, dass er über meinen Humor überhaupt nicht lachen kann. Kein bisschen. Auch seine Frau nicht, aber bei Uli Stein würden sie beide immer ausufernd lachen. Das tat weh. Wie kann man einem sensiblen, nach Anerkennung und Liebe heischenden Künstler nur so das Messer ins Herz stoßen? Ich spürte spontan den Wunsch, ihm zu antworten, dass er sich meinen Kalender aufs Klo hängen soll und sich damit - was immer er für nötig hält - reinigen kann. Dann vernahm ich eine Stimme in mir, die mich eindringlich fragte, ob ich denn vergessen hätte, dass ich selber schon ganz oft an meiner Arbeit zweifelte und sie als einfallslos und mittelmäßig betrachtete? Dass ich manchmal alles besser fand was andere zeichneten und alles hinwerfen wollte? In solch dunklen Momenten sogar aus dieser harten, bösen Welt zu scheiden trachtete? Ich schrieb das Herrn F., bedankte mich für seine offenen und reichhaltigen Worte und wünschte ihm und seiner Gattin von ganzem Herzen, dass sie in 2020 finden würden, was sie bei mir so vermissten: Humor. Er antwortete, meine Einsicht hätte ihn zutiefst gerührt, sie würden sich jetzt große Sorgen um mein Wohlbefinden machen und seiner Frau wäre eben doch noch ein Cartoon von mir eingefallen, über den sie herzlich schmunzeln mussten: Eine Frau steht vor einer Wäscheleine und sagt zu ihrem Mann: „Die Wäsche ist online!“ „Also Kopf hoch, geht doch“, schrieb er. Ich antwortete ihm, dieser Cartoon sei leider von Uli Stein. Gestern kam von ihnen ein selbstgebackener Kuchen. Ich habe darauf geantwortet, so ein geschmackloses Backwerk hätte ich in meinem Leben noch nicht gegessen.