Butschkow´s Blog



Werbeterror

Autor: Butschkow am 24.01.2020


Werbeterror

Der Film fängt klasse an. Tolle Schauspieler, super Thema, feine Inszenierung, flirrende Spannung baut sich auf. Ich tauche voll in ihn ab. Großes Kino. Gerade tritt Florence dicht an Pierre heran, ihre Lippen berühren fast die seinen. „Hey“, flüstert er. Die Stimmung geht mir durch den ganzen Körper, ich zittere leicht. „Ich muss dir was sagen“, haucht Florence. Auch ich bin aufgeregt, fiebere ihrem nächsten Satz entgegen – plötzlich eine zitronenblonde SUV-Mutti im Bild. Sie säuselt: „Endlich fühle ich mich wieder unbeschwert, wieder mitten im Leben.“ Was? Wer bist du denn? Wo ist Florence? Wo ist Pierre? Die Blonde hebt eine Packung in die Kamera: „Bei Verstopfung und Magenbeschwerden, Kotison Forte!“ Ich fasse es nicht, sehe ihren Darmausgang vor mir und spüre in mir Übelkeit aufsteigen. Der Stimmungsabriss macht mich fertig. Hallo? Ich will verdammt noch mal wissen, was Florence sagen will!!! Was soll dieser Werbescheiß? Warum sägt ihr mir mit einem bescheuerten Abführmittel voll in meinen Liebesfilm? Wer ist verantwortlich für diese brutale Platzierung? Ich will ihn sprechen, sofort! Am liebsten in seinem Schlafzimmer, wenn er gerade mitten im Paarungsakt ist. Ich werde ihm einen WC-Reiniger vor die Nase halten und ihm „Die Superkraft mit Lavendel-Duft! Gegen Kalk und Schmutz in Bad und WC!“ ins Ohr blasen. Tolle Vorstellung. Vielleicht gibt´s so was auch bald mal gegen Werbespotbakterien?“ Einen Filmreiniger! Wie schön wäre das denn?